Am Freitag, 18. September, war unser Raum an der Lindberghstraße voll besetzt. Wir haben den bosnischen Dokumentarfilm „Bratunac – genocidna namjera“ gezeigt, auf Deutsch „Bratunac – die genozidale Absicht“. Organisiert hatte den Abend unsere Gemeinde IKRE München gemeinsam mit dem Verein Lilium Bosniacum e.V.
Zu Gast waren der Regisseur Avdo Huseinović, Elvir-ef. Hodžić, Hauptimam der Islamischen Gemeinschaft in Bratunac, und Ramiz Salkić, der das Drehbuch geschrieben hat. Salkić kommt aus einem Dorf bei Bratunac. Von 2014 bis 2022 war er Vizepräsident der Republika Srpska und vertrat dort die bosniakische Bevölkerung. Heute ist er Abgeordneter im Parlament der Republika Srpska.
Warum gerade Bratunac? Die Kleinstadt liegt in Ostbosnien an der Drina, etwa zehn Kilometer von Srebrenica entfernt. 1991 waren 64 Prozent der Einwohner Bosniaken, 2013 noch 38 Prozent. In den Jahren dazwischen geschah viel.
Im Dorf Glogova wurden im Mai 1992 65 unbewaffnete Zivilisten getötet. Im selben Monat hielten serbische Einheiten in der Grundschule „Vuk Karadžić“ in Bratunac rund 800 Männer gefangen. Die Überlebendenvereinigung geht von etwa 300 Toten aus. Am 13. Juli 1995 wurden in einer Lagerhalle im Ortsteil Kravica über 1.000 Männer und Jungen aus Srebrenica erschossen.
Für die Verbrechen von 1992 gibt es inzwischen rechtskräftige Urteile. Das UN-Tribunal in Den Haag hat über Glogova geurteilt, das Gericht von Bosnien und Herzegowina 2024 über die Schule „Vuk Karadžić“. Viele Taten sind bis heute nicht abgeurteilt. In Sarajevo laufen weiterhin Ermittlungen.
Viele Familien in unserer Gemeinde stammen aus dieser Region. Für unsere Kinder, die hier zur Schule gehen und auf Deutsch denken, ist so ein Abend oft der erste direkte Zugang zu dieser Geschichte.
Genau dafür gibt es den IKRE. Bei uns wird gebetet, aber wir pflegen auch die Verbindung zu Bosnien und bewahren die Erinnerung an das, was dort passiert ist.
Wir danken Lilium Bosniacum e.V. und allen, die gekommen sind.




