Am 2. Juli war das PR-Team des IKRE e.V. auf Einladung der Stadt München im Großen Sitzungssaal des Rathauses zu Gast. Anlass der Podiumsdiskussion war der Internationale Tag gegen antimuslimischen Rassismus.
Die 2. Bürgermeisterin Mona Fuchs eröffnete den Abend und betonte, wie wichtig es sei, antimuslimischen Rassismus klar zu benennen und aktiv dagegen vorzugehen. Den voll besetzten Saal wertete sie dabei als starkes Zeichen der Münchner Stadtgesellschaft.
Besonders bewegend war der Bericht von Hüseyin Bayri, einem Überlebenden des rassistischen OEZ-Anschlags. Er schilderte den traumatischen Moment, als sein Freund in seinen Armen starb und er selbst nur überlebte, weil die Waffe des Täters in diesem Moment leer war. Dieses Erlebnis hat sein Leben für immer verändert. Heute trägt er die Stimme der Opfer weiter, die nicht vergessen werden dürfen. Sein eindringlicher Appell: Die Gesellschaft darf über rechtsextremen Terror und Rassismus niemals schweigen.
Im Anschluss sprachen Prof. Dr. Karim Fereidooni und Saloua Mohammed von der Ruhr-Universität Bochum. Prof. Fereidooni war unter anderem Mitglied im „Unabhängigen Expertenkreis Muslimfeindlichkeit“ (UEM) – einem Gremium, das nach dem rassistischen Anschlag von Hanau vom Bundesinnenministerium ins Leben gerufen wurde, um antimuslimischen Rassismus in Deutschland erstmals umfassend staatlich und wissenschaftlich zu untersuchen.
Um das Problem besser zu greifen, erklärten die Forscher einige zentrale Begriffe. Es ging in der Diskussion vor allem um sogenannte „Ideologien der Ungleichwertigkeit“ und die verschiedenen Ebenen von Rassismus – also wie Ausgrenzung im persönlichen Alltag, in Institutionen (wie Schulen) oder auf politischer Ebene funktioniert. Der Kern des Problems sei oft der Mechanismus, die eigene Gruppe aufzuwerten und andere abzuwerten. Die Experten kritisierten dabei auch, dass der Politik längst umfassende Studien vorliegen, es in der Praxis aber oft an echten Konsequenzen fehle.
Während des Vortrags wurden viele Daten präsentiert. Wir haben fünf Fakten zusammengefasst, die an diesem Abend besonders stark im Gedächtnis geblieben sind. Sie sind wichtig, um zu verstehen, wie akut die Situation in Deutschland tatsächlich ist:
- Es passiert täglich: Im Jahr 2025 gab es bundesweit über 4.000 dokumentierte antimuslimische Vorfälle. Das entspricht im Durchschnitt 11 Angriffen pro Tag.
- Frauen als Hauptziel: Bei Übergriffen und verletzendem Verhalten sind knapp 65 Prozent der Opfer muslimische Frauen, meist aufgrund ihrer Sichtbarkeit durch das Kopftuch.
- Stimmung in der Gesellschaft: Etwa jeder zweite Mensch in Deutschland (50 %) hat islamfeindliche Einstellungen. Rund 45 % würden einen muslimischen Bürgermeister allein wegen seiner Religion ablehnen.
- Es trifft nicht nur religiöse Menschen: Antimuslimischer Rassismus richtet sich gegen jeden, dem aufgrund von Aussehen, Namen oder Herkunft eine muslimische Identität zugeschrieben wird – völlig unabhängig davon, wie die Person tatsächlich lebt.
- Verbundenheit trotz Diskriminierung: Obwohl Rassismus für viele zum Alltag gehört, zeigen die Studien, dass sich die deutliche Mehrheit der Muslime (bis zu 75 %) Deutschland zugehörig fühlt und gerne hier lebt.
Was wir als Verein tun können
In der abschließenden Fragerunde ging es darum, was Vereine wie das IKRE Zentrum tun können. Die Experten betonten: Die Hauptverantwortung für die Bekämpfung von Rassismus liegt bei der Politik und dem Staat.
Wir als Gemeinde können jedoch eine wichtige Stütze sein: Indem wir Räume schaffen, in denen sich besonders unsere Jugendlichen austauschen können und gestärkt werden (Empowerment). Zudem ist es wichtig, den direkten Dialog zu suchen, sich mit anderen Vereinen zu vernetzen und unsere Anliegen öffentlich sichtbar zu machen. Genau diesen Weg gehen wir als IKRE e.V. durch unsere Vereinsarbeit und unser Besucherzentrum – für ein starkes und selbstbewusstes Miteinander in München.



